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Die Verstümmelten
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Der von den Zeitgenossen sehr zwiespältig aufgenommene Roman Die Verstümmelten (1923) markiert einen Höhepunkt im schmalen Werk des jung verstorbenen Schriftstellers Hermann Ungar. Die drastische Darstellung von Perversion, Verfall, Krankheit und Tod wirkte erschreckend und stieß bei den Lesern auf Ablehnung. Spätere Rezensenten rückten das ungewöhnliche Werk jedoch thematisch und qualitativ in die Nähe von Franz Kafka und Ernst Weiß. Der Roman kontrastiert das Schicksal zweier ehemaliger Jugendfreunde, des Bankangestellten Franz Polzer, der krampfhaft versucht, sein Leben vor Erschütterungen zu bewahren, und des physisch behinderten Karl Fanta, der sich in Selbsthass ergeht.

Klappentext:
Der Bankangestellte Franz Polzer, gefangen in einer inhumanen Arbeitswelt, ist im Fatalismus gefangen und auf ein bloß vegetatives Dasein zurückgeworfen. Einzigen Halt findet er in einem Streben nach Ordnung und Sicherheit als Schutz gegen die als feindlich und unberechenbar erkannte Umwelt. Für Polzer hat die Geradlinigkeit eines fest eingeplanten Tagesablauf eine fast religiöse Bedeutung. Nur die Vorhersehbarkeit eines jeden Tages läßt ihn das Leben ertragen. Die Welt ist sein innigster Feind. Seine Sexualität ist das Resultat traumatischer Kindheitserlebnisse. Die Angst vor jeder Veränderung hat ihn in die Arme seiner Hauswirtin, einer verblühten Witwe getrieben, die sich seine Phobien zunutze macht und ihn bis zur körperlichen Vergewaltigung in Besitz nimmt. Es entwickelt sich ein Erdrutsch aus Ausweglosigkeit, religiösem Wahnsinn, Geldgier und verkorkster Sexualität, der alle unter sich begräbt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2001:
Thomas Mann war vom schriftstellerischen Können des früh verstorbenen Tschechen Hermann Ungar begeistert, Stefan Zweig dagegen zeigte sich - wenngleich fasziniert - insgesamt eher angewidert. Der Rezensent Frank Schäfer stimmt Zweig zwar in seiner Diagnose zu, er hält den "Ekel vor dem Organischen" für die Essenz des Buches, aber trotzdem teilt er Thomas Manns Fazit: alles in allem ist er von dem Roman und dessen "klinischer, metaphernarmer, aber keineswegs kunstloser Prosa" sehr angetan. Die Inhalte der Geschichte, Misogynie und Homoerotik, sind in einer "hochgradig artifiziellen Struktur" kodiert und literarisch verschlüsselt, findet der Rezensent und nennt den Roman eine "komplexe, psychopathologische Fallstudie".



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 Hermann Ungar      Deutsch     CC 3: by-nc-nd      02.07.2012     426.04 KB     113     1189   
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